Stegersäge und Naturparkhaus Schlern-Rosengarten

Das Tschamintal ist sicher eines der schönsten Dolomitentäler in der Umgebung von Bozen. Ein kleines Juwel mit kristallklarem Wasser, reinen Wäldern und atemberaubenden Bergspitzen. Weit entfernt vom Verkehr ist es ideal für Kinder und Paare die vor Verwandten, Kollegen oder Paparazzi auf der Flucht sind. Auch die Forellen sind hier oben stumm wie Fische.
Die Sägerei des Tschamintals, oder die Geschichte vom Sägemeister der auszog um in den Wald zu gehen.
An Sonntagen im Sommer kann der Parkplatz der Tschaminalm recht voll werden, aber es gibt keinen anderen Ort an dem man vor dem Lärm fliehen kann ohne weit zu fahren. Das Tal ist ein Pilgerort für Hobbybotaniker und Liebhaber von wilden Orchideen, die man aber nur schwer findet, da dies eines der ursprünglichsten Gebiete in den Dolomiten ist. Der Bach der in diesem bis auf ein paar Almhütten unbewohntem Tal entspringt ist dermaßen rein, dass die Bewohner des Dorfs Tiers es ohne chemisches Zutun direkt verwenden können. Es ist also kein Wunder, dass man hier die besten Forellen der Provinz isst. Am Taleingang wurde im fließenden Wasser eine Fischzucht angelegt. In diesem eiskalten und klaren Wasser können sich die Forellen auf natürliche Weise gegen den Strom bewegen. Der Stolz dieses Ortes, der auch unter dem Namen “die weisse Lawine” bekannt ist, ist die kleine Venezianersäge aus dem 16. Jhdt. Bis zu den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es hier rund zwanzig Sägen entlang des Bachs der bei Blumau in den Eisack mündet. 1975 war nur mehr eine übrig geblieben und auch diese wurde ein Jahr später verlassen. Nicht etwa, weil es sich nicht rentiert hätte oder der Sägemeister müde gewesen wäre, sondern weil dieser dem Ruf der Wildnis gefolgt war. Unheimlich?
In diesem Tal geht alles vom Wald aus. Nehmen sie sich ruhig Zeit dem nachzugehen, aber dafür müssen sie ca. eine dreiviertel Stunde auf dem Weg Nr. 3 in das Herz des Tales vordringen. Dort oben befindet sich eine schöne Wiese, die dem Wald entrissen, oder besser gesagt geborgt wurde und dann werden sie die Gründe des Sägemeisters den es zurück in den Wald zog besser nachvollziehen können. Die Umrahmung dieser Wiese ist eines der schönsten Bilder, die die Dolomiten hergeben können, und wenn man sich ins Gras legt, dann wirkt es als ob alles, aber wirklich alles von den hohen Bergspitzen, über den blauen Himmel und den Schneefeldern aus dem dichten Wald entstanden sei, der zentral wie eine Lunge abwechselnd pulsiert und ruht.

Auch der Sägemeister der Tschamintal kehrte in den Wald zurück, der ihm sein ganzes Leben lange den Unterhalt garantiert hatte. Sein Haus wurde teilweise zum Naturparkhaus Schlern-Rosengarten umgebaut, wo Möbel und Alltagsgegenstände aus jener Epoche ausgestellt sind. Auch die Säge selbst wurde wieder hergestellt und man kann sie in Funktion sehen. Die Kinder werden Spaß daran haben Dämme zu bauen und den Teich zu erkunden, der von Grasfröschen und Wasserläufern bevölkert ist. Dann kehrt man bei der blonden Sybille und ihren blonden Töchtern ein, die die Alm bewirtschaften und dort kulinarische Köstlichkeiten anbieten: die besagten Bachforellen, und vieles andere wie z.B. Waldfrüchtejoghurt.
Sehenswert
Die Säge muss unbedingt in Betrieb gesehen werden. Es handelt sich nämlich um den Typ Venezianer Säge, bei denen das Wasser in eine Rinne geleitet wird und das Rad von unten antreibt. Auf diesen Kanälen konnten auch die Flöße mit den Baumstämmen transportiert werden, das stellte damals eine erhebliche Erleichterung der Arbeit der Sägemeister dar.
Info
Das Naturparkhaus ist von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 17.30 geöffnet.
Im Juli und August ist das Besucherzentrum auch sonntags geöffnet.
Auf Vormerkung unter der Nummer 0039 0471 642196, kann man das Besucherzentrum und die Säge auch außerhalb der Öffnungszeiten sehen.
Foto: Archiv Casanova |