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Von St. Medardus bis Tarsch

Auf den Spuren der Kreuzritter

Als Urban II. 1095 beim Konzil von Clermont den Heiligen Krieg ausrief mobilisierte er somit tausende der unterschiedlichsten Menschen in einem Phänomen sondergleichen. “Gott hat die Kreuzzüge erfunden um dem Ritterorden und dem gemeinen Volk eine neue Möglichkeit zu schaffen, um ihre Sünden zu verbüßen”, schrieb Gilbert von Nogent. Auf den Strassen und entlang der Talhänge lief der lokale Adel Sturm, um Hospize und Kirchen zu errichten, welche die Kreuzzügler die von Norden nach Süden zogen, zu empfangen. In Südtirol ist das Hospiz von St. Medardus, neben jenem von St. Florian und jenem von St. Johann in Taufers, eines der wenigen Zeugnisse der ritterlichen Hospizen. Es wurde 1218 von Albrecht von Tirol gegründet. Das schöne Kreuz, das in das Portal des alten Gebäudes, heute ein bewohnter Hof, gemeißelt ist, gehört zu den ersten Willkommenszeichen auf die der Ritter, der von der Schweiz oder vom westlichen Österreich in Vinschgau kam, traf. Das Hospiz liegt auf einem erhöhten Standpunkt über dem Tal. Das rührt daher, dass die Pilger, wie schon die ersten Einwohner und später die Römer es gewohnt waren, den sumpfigen Gebieten von Meran und Bozen auf Höhenwegen auszuweichen. Von St. Medardus ging ein alter Weg aus, der den Berg in der Nähe des Tscharerpasses (2551 m) überquerte und in das Ultental führte, wo sich das Hospitz von St. Moritz befand, welches heute eine Kapelle ist. Von hier kam der Pilger über die zahlreichen Pässe der Magdaler Berge ins Obere Nonstal und vermied so die Gehzeiten erheblich.
Neben dem Hospiz steht die Medarduskirche, die 1209, wahrscheinlich auf einem vorher existierenden Gebäude, errichtet wurde. Bei den kürzlich erfolgten Restaurierungsarbeiten ist die Harmonie dieses kleinen Tempels das in vollkommenem romanischem Stil entstanden ist ans Licht gekommen. Trotz einiger Änderungen die in den darauf folgenden Jahrhunderten vorgenommen wurden, wie die Öffnung einer Tür im Norden, über die das Kreuz der Ritterorden angebracht wurde und einige erweiterte Fenster.
Das Innere der Kirche birgt einige malerische Fragmente, wie das Mäanderband, das über die Wand des Glockenturms führt, oder der Kopf aus der Spätromanik, der ein klar umrissenes Auge überlappt, welches auf die Existenz des Gebäudes in einer früheren Epoche schließen lässt. Der in Stein gehauene Hohlraum hinter dem alten Altar wurde als Reliquienschrein verwendet. Die zweibögigen Fenster des Kirchturms, die typisch für das Tal sind, machen schon von Weitem auf die Heilige Stätte aufmerksam, wo man zwischen Krieg und Gewalttaten einige ruhige Stunden verbringen konnte.

Landkarte Kompass 52

Route: vom Dorf folgt man dem Weg Nr. 3-4.
Rückkehr: auf dem selben Weg.
Zeit: Insgesamt eine Stunde. Es ist ein kurzer, aber vom kunsthistorischen Aspekt, lohnender Ausflug.
Anmerkungen: wer die Runde ausdehnen möchte, kann zum Tarscherjoch und zum nahen Latscherjoch (2507 m) gehen. Vom Dorf folgt man der Strasse bis zur Talstation der Seilbahn, die auf die Tarscher Alm führt. Dort angekommen (1940 m) nimmt man den Weg Nr. 1, kommt an der Zirmaunhütte vorbei und geht einen alten Waalweg entlang bis zum Pass. Der Waalweg (Bewässerungskanal) führte das Wasser von den Gletschern des Hasenohrl zu den unterliegenden Dörfern (Nr. 2 A). Panorama auf 360° Grad.
Rückkehr: man folgt den Weg Nr. 2 bis zur Skihütte, dann den Weg Nr. 9 bis zur Bergstation der Skihütte.
Zeit: 3 1/2 Std.
Höhenunterschied: 567 m


Texte und Bilder: Fiorenzo Degasperi

 
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