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Von St. Jakob bis Grissian

Die erste malerische Darstellung der Dolomiten

Die romanische Malerei behält, wie die Bildhauerei der selben Epoche, einen ornamentalen Charakter bei und ist der Architektur untergeordnet. Sie folgt den Flächen der Wände und vermeidet die Erschaffung von Räumen hinter den Figuren, die sich von einem einförmig hellen oder dunklen Hintergrund oder von verschiedenfarbigen Farbbändern abheben. Obwohl sie nie die abstrakte Form erreicht, ist jede Darstellung der Realität stilisiert und das Bild ist eher ein Symbol als eine realistische Darstellung. Stellen sie sich also die Überraschung vor, wenn man beim Eintritt in die Jakobskirche, die auf dem Gipfel eines Hügels steht, in der reichen malerischen Dekoration der Apsis und des Triumphbogens die erste Darstellung der Dolomiten zu entdecken. Am linken Bogen ist im mittleren Band das Opfer Abrahams gemalt, er wird beim Erklimmen des Berges auf einem Esel, der das Feuerholz für die Opferung Isaaks trägt und der den Gottvater flehend ansieht, dargestellt. Die Szene findet vor dem Hintergrund von schneebedeckten Gipfeln statt. Wenn wir uns in die Richtung des Kirchplatzes bewegen können wir in der Ferne die Zinnen des Rosengartens und die Türme des Vajolet erkennen. Ins Innere der Kirche zurückgekehrt verstehen welche Beweggründe den Künstler dazu gebracht haben die romanische Malerei hinter sich zu lassen. Wahrscheinlich hat der Reiz dieser verzauberten Berge, wo sich die Sagenwelt mit der Schönheit der Natur verbindet, dazu geführt, dass die Opfergabe Abrahams in die Berge versetzt wurde, die den Besuchern des Ortes vertraut waren.
Aber dies ist nur eine der vielen Perlen die die Kirche birgt.
Neben den Fresken an der Außenwand, die um 1400 datiert werden, ist das Innere, welches 1142 geweiht wurde ein wahrer Schrein für die Liebhaber romanischer Kunst. Eine schöne Christusfigur, von Maria und Johannes flankiert, verziert den Apsisraum, während ein Schriftband mit den Namen von Heiligen die ganze Unterseite bedeckt. Mäanderbänder umranken uns unbekannte Gesichter. Lämmer und segnende Hände schmücken den Triumphbogen. Das Ganze ist sicherlich von hohem künstlerischen Wert und es ist vermischt mit einer Struktur die in der Zeit ihre ursprünglichen Merkmale bewahrt hat.

Landkarte Kompass 54

Route: von Prissian (610 m) folgt man dem Hinweisschild “St. Jakob” (Wegweiser Nr. 8) der uns zur kleinen Fraktion Grissian führt. Hier erheben wir den Blick und erkennen schon die Kirche, die zum Teil von Bäumen verdeckt ist. Wir gehen die Schotterstrasse (Wegweiser Waldsteig) entlang und kommen bei einer vollständig mit gotischen Fresken ausgemalten Kapelle vorbei, die 1440 errichtet wurde. Dann erreichen wir die Höhe des Felsen auf dem sich das Jakobskirchlein befindet (922 m).
Rückkehr: auf dem selben Weg.
Variante: vom Kirchlein geht man den Felsen in südöstliche Richtung bergab und kommt auf eine Forststrasse (Hinweisschild “Gasthof St. Apollonia”, Wegweiser Nr. 7/8). Man überquert einen Schlund und erreicht den Gasthof. (von hier erreicht man in wenigen Minuten die Apolloniakirche, welche ebenfalls auf einer äußerst panoramischen Erhebung errichtet wurde und wegen seiner architektonischen Struktur, die typisch für die Romanik ist besonders interessant ist, auch wenn das Innere leer ist). Dann folgt man den Weg Nr. 9, der steil bis zur Fraktion Sirmian hinab führt, dort biegt man links ab und folgt dem Wegweiser F (bei der Kapelle) und dringt weiter in die Schlucht vor. Man überquert den Grissianbach auf einer Holzbrücke und erreicht dann eine Asphaltstrasse, die zum Ausgangspunkt führt.
Zeit: Drei Stunden. Wenn man sich für die wärmstens empfohlene Variante entscheidet, sollte man vier Stunden einplanen.
Höhenunterschied: ca. 400 m


Texte und Bilder: Fiorenzo Degasperi

 
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