Bauhaus-Villen bei Barbian
und das Gasthaus Briol

Beim Wandern in den Wäldern oberhalb von Barbian stößt
man immer wieder auf kleine malerische Häuschen. Diese kleinen
Schmuckstücke die sich in der Vegetation verstecken, erzählen
von einer Liebesgeschichte aus einer anderen Zeit. Aus einer Epoche
in der selbst der Baustil den immerwährenden Wunsch des Menschen
nach Wiedervereinigung mit der Natur bezeugen.

Zuallererst muss man sich die Vergangenheit bildlich vorstellen,
Menschen und Begebenheiten aus dem letzten Jahrhundert wieder aufleben
lassen. Nur so wird die Besonderheit dessen was man auf dieser
Wanderung, der zu einem der einzigartigsten Gasthäuser Tirols
führt für uns Pilger überhaupt verständlich.
Die Urgroßmutter der heutigen Besitzerin des Gasthauses Briol
hieß Johanna Riegler. Sie heiratete im Jahre 1880 einen vermögenden
Geschäftsmann, Heinrich Settari, der mit Seide und Porzellan
handelte. Von ihm bekam sie 15 Kinder: 14 Mädchen und einen
Buben. Zur Geburt eines jeden Kindes erhielt Johanna ein wertvolles
Geschenk aber sie zog etwas, das auch für die Kinder von Nutzen
sein könnte, einem teuren Schmuckstück vor. So bat sie
ihren Mann für jedes geborene Kind ein Häuschen mit einem
dazugehörigen Grundstück im Wald zu errichten. Sobald
diese erwachsen waren übergab sie ihnen das Häuschen
unter den folgenden drei Bedingungen: keine Zäune zu errichten,
das Gut nur an die Familie weiterzugeben und das Haus im „Sinn
des Berges“ zu erhalten. Auf Grund der zahlreichen
Nachkommenschaft, schmückten sich die Wälder um Dreikirchen
bald mit einer Vielzahl kleiner Häuser im schlichten Bauhausstil,
welche sich auf äußerst harmonische Weise in das liebliche
Landschaftsbild fügen. Auch das Gasthaus Briol wurde in diesem
nüchternen und minimalistischen Stil errichtet, der sich in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet hat. Seitdem
hat sich kaum etwas verändert. Briol ist nur zu Fuß oder
mit dem Geländetaxi erreichbar, denn wer sich für einen
Aufenthalt hier entscheidet sucht den direkten Kontakt zur Natur
und will sich vom Verkehrslärm und der Hektik des modernen
Alltags abschotten.

Eines steht fest: Johanna und ihre Familie haben eine dauerhafte
Erinnerung in diesem Wald hinterlassen, die man heute noch bei
jedem Schritt auf einem der vielen Wanderwege, die nach Briol führen
wahrnimmt. Jedes Häuschen ist deshalb nicht nur ein Geschenk
Johannas an ihre Kinder sondern auch an die Wanderer, die sie nach
und nach zählen, wie Blütenblätter. Jedes der Häuschen
hat seine Besonder- und Eigenheiten, aber alle sind ausnahmslos
ohne Zaun, eingebettet in eine Natur die hier mit dem Universum
verfließt.

Sehenswertes
im Respekt für die Stille, heilige Diskretion dieses
Ortes ist es nicht immer möglich die Gästezimmer zu besichtigen,
aber schon ein Blick auf die Bauhaus-Möbel aus den 30iger
Jahren im Eingangsraum reichen um einen Eindruck der Atmosphäre
bekommen die hier herrschte. So nah und doch so fern von allem.
Info
vom 25. April bis 15. Oktober 2009
Johanna & Urban von Klebelsberg
I - 39040 Barbian-Dreikirchen
Eisacktal( Bz)
Tel./Fax: 0039 0471 650125
www.briol.it
Foto: Archiv Briol |