Testatina

Wer hat den Tiroler Knödel erfunden?

Es ist Sonntag, und wir haben es doch glatt verschlafen. Die Kinder toben bereits im Garten herum. Gott, welch strahlend schöner Sommertag! Ein Tag für eine richtig große Wanderung wäre das gewesen… ja, gewesen, denn nun ist es dazu zu spät. „Weißt du was, wir machen uns einen schönen gemütlichen Tag“, lockt mein Mann. Ich sehe bereits dieses Funkeln in seinen Augen. Und weiß genau was er damit meint: Er will eine nette Wanderung machen , sich auf der Terrasse vor einer Berghütte in die Sonne setzen und wieder einmal so richtig gute Knödel essen. Denn diese Leibspeise der Südtiroler fehlt nun einmal auf meinem Familien-Speiseplan. Einmal habe ich sie tatsächlich probiert zu kochen, sie sind aber so misslungen, dass weder Mann noch Kinder mich je wieder danach gefragt haben. Und nun sitzen wir tatsächlich auf der Terrasse einer Berghütte, die Kinder toben auf den blühenden Almwiesen mit anderen Kindern herum, und mein Mann hat Knödel bestellt, zuerst Knödel mit Suppe, danach Knödel mit Gulasch und Salat. Der Wirt stellt die Teller auf den knorrigen Tisch, und nun kann ich meinen Mann auch verstehen. Kugelrund und safrangelb schwimmen sie in kräftiger Fleischsuppe, ein zarter Druck mit der Gabel genügt, und sie teilen sich in zwei duftende Hälften. Und sie schmecken wunderbar, selbst die Kinder verdrücken je drei Stück davon, auch mit dem aromatischen Gulasch verbinden sie sich in vollendeter Harmonie. So, nun will ich es aber wissen. Schnurstracks gehe ich in die Küche, wo die dralle Wirtin gerade mit nassen Händen Dutzende von Knödeln formt. „Natürlich braucht es einige Erfahrung“, tröstet sie mich, als ich ihr mein Leid klage. „Wenn der Teig zu weich ist, dann zerfallen die Knödel im siedenden Salzwasser, und wenn er zu hart ist, dann werden es keine richtigen Knödel“, erklärt sie. Einen richtigen Knödel muss man nämlich ganz sanft mit der Gabel zerteilen können, auf keinen Fall mit dem Messer. „Das wäre nämlich für die Köchin beleidigend, weil es würde bedeuten, dass der Knödel zu hart ist“. Inzwischen hatte sich der Wirt an unseren Tisch gesetzt. „Deine Frau macht die besten Knödel weit und breit“, lobte mein Mann ihre Kochkunst. „Ja schon“, antwortete der Wirt, „Knödel kochen können halt die Frauen viel besser als die Männer. Wie es immer heißt, hat sie ja auch ein Weibsbild erfunden!“ Und dann erzählte er uns die Geschichte, wie sie sich angeblich vor vielen Jahrhunderten auf einem Südtiroler Bauernhof zugetragen haben soll. . Demnach fiel eines Tages eine marodierende Landsknechtsgruppe in diesen Bauernhof ein und der Kommandeur verlangte zu essen, ansonsten würden die Soldaten Haus und Hof anzünden. Die Bäuerin war mit ihren Mägden allein zu Hause, aber unerschrocken machte sie sich ans Werk. Sie gab den Dirnen Anweisungen, alles zusammen zu tragen, was im Haus an Essbarem zu finden sei. Schließlich lagen auf dem Tisch hartes Brot, Zwiebeln, einige Eier, Bauchspeck und etwas Mehl. Die Bäuerin befahl das Brot zu aufzugrumeln (zu zerkleinern) und noch etwas Grünzeug aus dem Garten zu holen und fein aufzuschneiden. Dann vermengte sie alles zu einem Teig, gab Salz dazu, formte ihn zu Kugeln und warf sie in siedendes Salzwasser. Forsch stellte sie den hungrigen Landsknechten die volle Schüssel auf den Tisch. Denen schmeckten die Kugeln so gut und sie wurden so satt, dass sie danach glatt einschliefen. „Diese Kanonenkugeln hauen ja die ärgsten Mannsbilder um“, meinte daraufhin der Hauptmann bewundernd und gab der kecken Bäuerin sogar noch ein paar Goldstücke zur Belohnung, bevor er friedlich mit seiner Truppe abzog. Seitdem war der Siegeszug des Tiroler Knödels nicht mehr aufzuhalten…

Rezept für acht Knödel

Zutaten: 300 Gramm altbackenes Weißbrot, 100 Gramm geräucherter Speck, ½ kleingehackte Zwiebel, 1 Eßlöffel Butter, 2 Eier, ¼ Liter Milch, 2 Eßlöffel Mehl, 2 Eßlöffel feingehackte Petersilie, Salz .

Das Brot in kleine Würfel schneiden und in eine Schüssel geben. Speck sehr klein schneiden und zum Brot geben. Zwiebel in Butter abrösten. Die Eier mit einem Teil der Milch verquirlen, Salz und Petersilie untermischen und über das Brot gießen. Eine halbe Stunde ziehen lassen. Mehl, Salz, Zwiebeln und – falls nötig – noch Milch zugeben. Mit nassen Händen Knödel formen und in siedendem Salzwasser ca 15 Minuten köcheln lassen.


Texte: R. Erlacher

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