Von St. Johann bis Taufers
Die Schwarze Madonna

Die Ortschaft Taufers geht auf alte Ursprünge zurück.
Seit der Römerzeit war es ein Durchzugsort zwischen den
reichen Salzsteinvorkommen der Schweiz und Italien, deshalb wurde
die Strasse auch “Salzstrasse” genannt. Im Mittelalter
sah dieses Wiesenland, das von eindrücklichen Bergen beherrscht
wird, den Durchzug der Pilger die sich nach Chur begaben, zu
dessen Diözese es, wie im übrigen das ganze Vinschgau,
gehörte. Es lag also auf der Hand, dass an diesem Ort ein
Hospiz errichtet wurde, das zum Glück fast vollständig
bis heute erhalten ist.
Das dem Heiligen Johannes geweihte Gebäude wurde im 8. Jahrhundert
errichtet und enthält romanische Fresken, die einen Pfau,
eine ideale architektonische Struktur die das Himmlische Jerusalem
darstellt, ein zweiköpfiger Adler von offensichtlichem byzantinischen
Einfluss (die zwei Köpfe symbolisieren respektive den Orient
und den Okzident) und ein einem Bildausschnitt sieht man einen
bescheidenen narzisstischen Zuspruch an den anonymen Maler: eine
Hand beim Malen von Fresken. Andere Malereien sind später,
in der Gotik, entstanden. Darunter die älteste und größte
(4 m hoch) Darstellung des Hl. Christoph in Tirol.
Besonders interessant ist das steinerne Weihwasserbecken, das
in die Fassade die auf die Strasse blickt eingefasst ist. Aber
das Prunkstück der Kirche ist die schwarze Madonna mit dem
Kind, die uns in der Lünette über der Tür empfängt.
Die Schwarze Madonna wird in anderen Orten wie Altotting in Bayern,
Halle in Belgien, Montserrat in Spanien, Loreto, Cagliari, Crotone
und Tindari in Italien, Liesse, Chartres, le Puy in Frankreich,
nur um ein paar zu nennen verehrt. Der ungewohnte dunkelgraue
oder schwarze Farbton, der bei der Madonna verwendet wurde verbindet
die “Schwarzen Madonnen” mit dem Symbolismus vieler
heidnischer Göttinnen, darunter Isis und Kybele, die aus
einer Zeit stammen in der die Farbe Schwarz positiv behaftet
war. Im Altertum war Schwarz als Bringer von Leben und Wohlsein
angesehen und viele Mythen die von der Entstehung des Universums
erzählen, stellen die Farbe Schwarz dem ursprünglichen
Archetyp des Chaos und des Anfangs gleich, das in der Folge mit
der Mutter Erde verbunden wurde. So verändern sich die Symbole
mit der Zeit, bis sie sich im byzantinischen Orient mit der Madonnenfigur
vermischen. Der Schritt von Byzanz zum Orient ist klein. Außerdem
ist diese Madonna in Taufers die einzige Schwarze Madonna in
der Region. Ein Grund mehr um die Johanneskirche zu besuchen.
Landkarte
Kompass 52
Route: von Glurns folgt man der Strasse die in die Schweiz führt
einige Kilometer lang, bis man zu einer Brücke kommt (Calvenbrücke,
rechts nach Laatsch). Dort lassen wir das Auto und gehen links
den Rambach (Wegweiser Nr. 30) entlang. Wir kommen bei einem
Bildstöckel und einem doppelten Tabernakel vorbei und gehen
bis nach Rifair weiter. Von hier führt uns ein alter Weg,
der mit steinernen Stufen gepflastert ist nach Taufers.
Für die Rückkehr steigt man zur Pfarrkirche des Dorfes
(Blasiuskirche) hoch und folgt dem Weg Nr. 8 der, im ersten Stück,
einem Waalweg folgt. Auf dem leicht abschüssigen Weg, der
einen herrlichen Ausblick auf die Ebene von Glurns und Schlanders
bietet, kommen wir zum Ausgangspunkt zurück.
Zeit: insgesamt 3 1/2 Std.
Höhenunterschied: 265 m
Anmerkung: Die Schlüssel befinden sich im Nebenhaus.
Texte und Bilder: Fiorenzo Degasperi |