Testatina

Sarntal - Das zeitlose Tal



Landkarte Kompass 358

Jahrhundertelang isoliert, hält das Sarntal hartnäckig an seinen alten Traditionen fest und birgt in seinen herrlichen Bergen, wo sich Waldhänge mit alten Bauernhöfen und leuchtend grünen Wiesen abwechseln fantastische Geschichten über Zauberei.

In der Nachkriegszeit waren die Sarner seltsam unruhig. Augenscheinlich war nichts besondres passiert, allenfalls hätten die Talbewohner froh sein sollen: der Faschismus der sie alle in perfekte umändern wollte war gestürzt und sie durften nun wieder ihren alten deutschen Dialekt sprechen - und was für ein Dialekt! Durch die jahrhundertelange Abgeschiedenheit - aufgrund einer beeindruckenden Schlucht, die das Sarntal von Bozen trennt - haben die Sarner eine Mundart erhalten die reich an archaischen Worten ist und in der hunderte von Ausdrücken vorkommen auf die man in keinem anderen Südtiroler Dialekt wieder hören wird. Die Deklination der Wörter ist noch schwieriger als im Deutschen: dieses Dialekt hat schon die kühlsten Linguisten vor Wonne zergehen lassen aber es ist auch für Deutschsprachige nur schwer verständlich. Alles ist im Sarntal also beim alten geblieben: Wiesen und Wälder zur Genüge; Äcker die von robusten Haflinger Pferden gezogenen Pflügen aufgelockert werden; aus Holz gebaute Bauernhöfe in deren Gärten Mohn wächst dessen Samen für schmackhafte Süßspeisen verwendet werden; und dann: den ganzen Winter lang schaufelweise Schnee, ein blühender Frühling, ein nach frischem Heu riechender Winter und ein Herbst in technicolor mit einem makellos klarem Himmel und Bäume die sich in tausend Farben färben. Was für einen Grund hatten die Sarner also bekümmert und besorgt zu sein?
" Uns machte die politische Situation in der Tschechoslowakei Sorgen" verrät uns eine alte Frau: "seit der Zeit der österreichisch-ungarischen Reichs, hatten die Sarner immer geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen mit Böhmen unterhalten; dann sind der Eiserne Vorhang und der Kommunismus gekommen und die Beziehungen wurden abrupt abgebrochen - und wir litten darunter." Wir äußern einige Zweifel über die internationalistischen Leidenschaften der Talbewohner und endlich kommt die Wahrheit ans Licht: "Wie hätten wir sonst an die Halstücher für unsere Trachten kommen sollen? Wir hatten sie immer in Böhmen gekauft, nur wurde die Fabrik von den Kommunisten geschlossen. Wir wussten nicht weiter: in Italien oder Österreich gab es niemanden der solche Halstücher herstellen konnte: es mussten handbedruckte Seidentücher sein. Glücklicherweise hat sich nach ein paar Jahren eine Schweizer Firma gefunden die die alten Modelle originalgetreu nachmachen konnte. Endlich konnten wir, mit unseren neuen Halstüchern, wieder erhobenen Hauptes zur Messe gehen.
Ja genau, zur Messe. Hier in Sarenthein muss man nicht bis zum "Kirchtag" - der immer am ersten Sonntag im September stattfindet - warten um die traditionelle Kleidung anziehen zu können: als Anlass reicht die sonntägliche Messe oder ein beliebiger Feiertag. Und da stehen sie schon vor der Himmelfahrtskirche die eleganten Sarner Frauen mit ihren weiten schwarzen Röcken über denen sie Schürzen aus glänzendem Brokat tragen, dann die flachen schwarzen Hütchen als Kopfbedeckung und die famosen Seidentücher um den Hals: es ist ihnen bewusst wie gut angezogen sie sind: sobald man den Fotoapparat zückt um sie in ihrer Pracht zu fotografieren rufen sie ihre Freundinnen herbei um dann lächelnd zu posieren. Aber die Männer stehen den Frauen weder in der Herzlichkeit noch in der Schönheit ihrer Trachten: außer den Hosen aus Lodenstoff und den fröhlichen mit Federn und Blumen geschmückten Hüten tragen sie lederne Hosenträger - die "Kraxn" - und kostbare geklöppelte Ledergürtel. Ein so schönes Kleidungsstück zu besitzen ist nicht nur Eitelkeit sondern eine ernstzunehmende Verantwortung, das beweist auch der Preis dieser Gürtel die wahre Kunstwerke sind und von Vater zu Sohn weitergegeben werden: ein neuer Gürtel kostet zwischen 1000 und 2000 Euro! Der Grund für diesen Preis ist die aufwändige Arbeit die in den kunstvollen Klöppelstickereien steckt und die hohe Qualität der verwendeten Materialien: so werden dafür Pfauenfedern verwendet. Warum sich im Sarntal diese Art von Lederarbeiten tradiert hat die man sonst nur in der Türkei oder in Indien wieder findet bleibt ein Geheimnis.
Aber das Sarntal birgt noch andere Geheimnisse: man erzählt, dass sich einst Hexen, angeführt von der Hexenmeisterin Pachler Zottl auf einem Hügel trafen um lärmend den Hexensabbat zu feiern. Frau Pachler hat es wirklich gegeben: sie war eine arme Frau aus Sarenthein die auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, da sie unter Folter gestand, dass sie sich auf dem Schlern mit dem Teufel getroffen hatte, dass sie auf dem Rücken eines Schweines bis zum Rhein geflogen war und dass sie aus dem Nichts Mäuse zaubern konnte die die gesamte Ernte des Tales vernichten konnten und andere Absurditäten. Wenn in der Überlieferung diese Begebenheit an einem bestimmten Hügel - dem Schöneck - stattgefunden hat muss es an dieser Stelle wirklich etwas ungewöhnliches geben. Wir gehen also hin. Und wirklich, genau an der Stelle die in der Sage beschrieben wird erheben sich Dutzende von beeindruckenden Steinhaufen - die "Stoanernen Mander" - die Männer aus Stein. Diese steinernen Säulen könnten vorzeitliche Dolmen sein, oder von Wanderern oder Hirten errichtete Wegweiser, aber weiß nicht genau von wem und aus welchem Grund sie dort aufgestellt wurden. Von einem Panorama das sich weitet um Täler und Berge zu umarmen umringt stehen die einsamen Männer aus Stein geben ein faszinierendes und surreales Bild ab.

Nützliche Informationen und Adressen von Sarntal

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