Eisenhand
Oswald von Wolkenstein wollte sich ganz der Musik widmen. Doch
war er in den Bann eines bösen Geistes geraten, der ihn
jedes Mal,
wenn er zu seinem Instrument greifen wollte, die Hände mit
unsichtbaren Eisenbändern verband. Er konnte nicht nur nicht
spielen sondern musste zusehen, wie die Laute in seinen Händen
zerbrach.
Vom Spitznamen Eisenhand, den ihn sein Unglück
einbrachte, ganz zu schweigen. So standen die Dinge, als sich
das neue Blatt seiner traurigen Geschichte eröffnete, das
wir nunmehr aufzuschlagen haben.
Es beginnt mit der Begegnung
mit der schönen Saliga, die Oswald Trost zuspricht und das
Glück in der
Liebe
schenkt. Die Hochzeit wird zum prunkvollen Fest, was tut es,
wenn die Braut ihm streg verboten hat, sie beim Namen zu nennen,
den er übrigens gar nicht kennt? Aber das Schicksal will
es, dass Oswald ein nicht für seine Ohren bestimmtes Gespräch
mit anhört,
in dem die Rede von seiner Frau und ihrem Namen geht. Antermoia,
Antermoia, murmelt er still vor sich hin, den ganzen Heimweg
lang.
Da steht sie plötzlich vor ihm, seine geliebte Frau, die
ihren Namen
geheim halten musste. Unter ihren Füßen sprudelte
Wasser aus dem Boden, bildete einen See, ihre Gestalt wird eins
mit dem kühlen
Nass. Weinend begleitet Oswald sein Trauerlied mit der Laute,
die
Saiten gehorchen seinen Fingern, der Bann ist gebrochen.
Bald
darauf zog Oswald von Wolkenstein als Minnesänger in
die
Welt hinaus und die Massen des Volkes jubelten ihm freudig zu,
er
aber fand nirgendwo mehr Ruhe und Glück. |