BILDHAUEREI
Die Bildhauer waren vor allem damit beschäftigt, die als
veraltet betrachteten Altäre aus der Gotik zu ersetzen.
Der Übergang zum neuen Stil erweist sich aber als nicht reibungslos,
sei es wegen des Widerstandes den die Südtiroler Schnitzer
leisten, als auch wegen des immer noch vorherrschenden "deutschen
Stils", der die Gebote der Nachbarregionen auf emphatische
Weise neu interpretiert.
Es ist aber nicht selten, dass die Richtlinien der zwei Schulen
nebeneinander existieren. Es gibt Bildhauer, die sich dem Bau von
spätgotischen Flügelaltären verschrieben haben und
andere, die italienische Säulenaltäre bevorzugen. Noch
im gotischen Stil sind die Altäre des Brixner Doms und der
Pfarrkirche in Burgstall aus der Hand BARTLMA DILLS entstanden,
sowie der überladene Altar von HANS KLOCKER in der Bozner
Franziskanerkirche (1500).
FILIPPO REISBERGER wurde zusammen mit GIOVANNI DE QUADRIA beauftragt,
die Trostburg bei Waidbruck wieder aufzubauen. Reisberger hat unter
anderem den Stein Angermann in Villanders (1576), mehrere Arbeiten
in Bozen, im Haus Hueberbauer (1592), auf Schloss Karneid und in
Kampidell (1595), sowie in der Sommerresidenz des Klosters Gries
hinterlassen.
In der Kirche von Niederlana, wird der größte Altar
des gesamten Alpenraums aufgestellt. Es handelt sich um ein eindrucksvolles
Werk von erhabener Würde, aus der Hand von HANS SCHNATTERPECK,
der um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Sterzing geboren wurde.
Seiner Berufung als Schnitzer folgend, zieht der junge Schnatterpack
nach Meran und erhält alsbald die Stadtbürgerschaft.
1503 arbeitet er in der Pfarrkirche von Lana an der Errichtung
des neuen Altars, der 1508 geweiht wurde. Dies ist das einzige
Werk, welches mit Sicherheit diesem Künstler zugeschrieben
werden kann. Schnatterpack war in Sterzing auf die Werke Hans Multschers
(der Altar der Pfarrkirche) gestoßen und schwer davon beeindruckt
gewesen. Aber dann verliert sich der eigentlich begabte Schnatterpeck
in Nachahmung des Meisters aus Ulm. Seine Werke sind fest in der
gotischen Tradition verwurzelt, sie wirken überladen und ohne
Inspiration..
Am prächtigen Altar in Lana finden wir im unteren Register
die Figur des Heiligen Vaters der den sterbenden Christus in seinen
Armen aufnimmt. Die Figur wird von massiven Statuen von Peter und
Paul und von Engelchen flankiert. Der obere Teil ist der Heiligen
Gottesmutter Maria gewidmet, die bei der Krönung durch die
Heiligen Anna und Katharina dargestellt ist.
Im linken Altarflügel sieht man im oberen Teil eine „Ankündigung“ und
im unteren Teil eine „Beschneidung“. Im rechten Altarflügel
ist im oberen Teil „Christi Geburt“ und im unteren
Teil die „Anbetung der Heiligen“ dargestellt.
Mit Ausnahme der Statuen von Peter und Paul zeugen die Figuren
von mittelmäßigem bildhauerischem Können und zudem
scheinen sie von dem prunkvollen, schweren Ornamenten die das große
Triptychon umrahmen erdrückt zu werden. Hans Schnatterpeck
stirbt am 1540 im Heiligen-Geist-Spital in Meran.
MATHEIS STÖBERL stammte ebenfalls aus Sterzing. Er war zwischen
1497 und 1523 in Algund Meran und dem Ridnauntal tätig. Dort
befinden sich in der spätgotischen St.-Magdalena-Kirche ein
Flügelaltar von 1509. Diese Arbeit Stöberls zeugt von
großem handwerklichem Können. Im Schrein befindet sich
die verschleierte Figur von „St. Magdalena und den vier Engeln“.
Ihr zu Seiten stehen der Heilige Georg und der Heilige Lorenz, über
der Gruppe schwebt ein mit Rankwerk bestickter Rankhimmel. In der
Predelle befindet sich eine „Pietà“. Die Altarflügel
sind ebenfalls, in einem Stil der an Albrecht Dürer erinnert,
bemalt. Hier sind einige Szenen aus dem „Leben der Heiligen
Magdalena“ (Innenseite) und der Passion (Außenseite)
abgebildet.
Gegen Ende des Jahrhunderts, arbeitet der Architekt und Bildhauer
HANS REICHLE (1570-1642), der Vermittler zwischen dem Italienischen
und dem Deutschen Manierismus gilt, an einer Reihe von bemalten
Terrakottafiguren, welche die Vorfahren des Hauses Habsburg darstellen.
Er handelt sich hierbei um Statuen voller Würde die aber unbeweglich
in einer Choreographie erstarrt sind. Sie wurden im Innenhof der
Brixner Hofburg aufgestellt. Reichle hat auch eine bronzene „Kreuzabnahme“ für
Pfarrkirche von Bruneck gemacht.
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