ARCHITEKTUR
Um die Interessen der deutschsprachigen Bauherren zu wahren,
wurde 1488 eine Bestimmung erlassen, welche den Zufluss von
ausländischen Fachkräften eindämmen sollte.
Nichtsdestotrotz kehrten die lombardischen Unternehmer, die
in den vergangenen Jahrhunderten hier tätig gewesen waren
fast heimlich nach Südtirol zurück. Die Arbeiter
aus der Lombardei zeichneten sich durch die niedrigen Kosten,
ihre bemerkenswertes technisches Können, und ihrer Kenntnisse
der neuen architektonischen Gesetze und Moden aus.
Sie führten dekorative Bauelemente, wie die zweibögigen
Fenster, Bogengänge und die offenen Balkone im Stile der
Renaissance ein, die den Ansitzen ein edles und modernes Aussehen
verliehen. Besonders war man aber vom „römischen Gewölbe“ begeistert,
welches ein relativ kostengünstiger uns sehr eleganter Ersatz
für die Holzdecken war, die im Brandfall zu einer Gefahr
wurden.
Die neuen ästhetischen Gebote kamen vor allem von der Renaissance,
jener kulturellen Bewegung, die sich im 15. Und im 16. Jahrhundert
in Italien entwickelt hat. Die Tragweite dieser kulturellen „Wiedergeburt“ reichte über
ganz Europa.
Florenz wird aufgrund seiner soziokulturellen Umstände zur
Wiege dieser Erneuerung, die geniale Architekten, Bildhauer und
Künstler hervorbringen wird. Traditionell wird Filippo Bruneleschi
als der Urheber der Renaissance erwähnt. Er hat die Regeln
der antiken Architektur wieder angewandt. Seine Theorie über
die Perspektive führt zu einer neuen Auffassung des Raumes,
zu dessen Mittelpunkt der Mensch nach dem Credo des Humanismus
nun geworden war.
Zu den lombardischen Familien, die sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts
trotzt der Verbote nach Südtirol begaben, gehörten di
DELAI aus Scala d’Intelvi, die CRISTOFORO und die SALOMONE
aus Lurago, sowie die CARLONI. Zu diesen gesellt sich der Meister
LUCIO von Trient, den Gaspare Künigl mit der Modernisierung
seines Schlosses Ehrenburg beauftragte. Der Ruhm Lucios wurde mit
dem Bau des Schlosses in Innsbruck (1536-38) und des Trientner
Palazzo Salvadori, im klar gegliederten Stil der Renaissance, gefestigt.
In St. Pauls bei Eppan werden die Arbeiten an der Pfarrkirche wieder
aufgenommen. Aber es sind lombardischen Bauherren, die das gotische
Gebäude vollenden. Der Chorraum wird erst 1609 von PIETRO
DE BOSIO fertig fertig gestellt werden.
In Kaltern ist SILVESTRO DEL GALLO tätig. Dort hat er Schloss
Kampan, mit Innenhof und Bogengängen, den Ansitz Mühlburg
(1580), den Gasthof Weisses Rössl (1586), das Haus Ruedl (1587)
errichtet. Andere Bauten die Lombarden zugeschrieben werden sind:
Nals, Schwanburg (ca. 1560)
Meran, Fragsburg (1543-51)
Naturns, Schloss Dornsberg (ca. 1560)
Kastelbell (1560-1600)
Schlanders, Schlandersburg
Schloss Goldrain
Glurns, Wiederaufbau von Turm und Stadttor (MARCO DELLA BOLLA und
SEBASTIANO GEMET, 1553-1560)
Kirche von Lichtenberg (MASTRO CLEMENTE, um 1580)
Feldthurns, Sommersitz des Bischofs (Architekt MATTIA PARLATI)
In Brixen ist Lombarde ALBERTO LUCCHESE tätig, der zuvor am
Innsbrucker Hof gearbeitet hatte. Er hat das Projekt für die
Hofburg entworfen (1595), die 1606 von BARTOLOMEO LUCCHESE fertig
gestellt wurde.
Derweil arbeiteten die Architekten WOLF VERDROSS und WOLF KORB
am Projekt für die Churburg in Glurns.
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