ST. BENEDIKT IN MALS (VINSCHGAU)
Ebenfalls im Vinschgau befindet sich die Benediktskirche in Mals.
Es ist ein kleines Gebäude, mit Langhaus und drei embryonale
Apsiden die in das Mauerwerk gehauen wurden. Die Nischen waren
mit Stuckramen verziert, während die Malereien im 9. Jahrhundert
von einem lombardischen Maler karolingischer Kultur angefertigt
wurden.
Jede der kleinen Apsiden ist mit Fresken bemalt. In der ersten
von links ist die Figur Gregors des Großen dargestellt, dem
die Bekehrung der langobardischen Königin Theodoline zu verdanken
ist; in der mittleren tritt ein Christus mit zwei Engeln hervor
und in der rechten erkennt man den Heilgien Stephan, den ersten
christlichen Märtyrer. An den Seiten der zentralen Apsis sind
ein Krieger und ein Benediktinermönch, der ein Modell der
Kirche hält, dargestellt. Sie stehen wahrscheinlich für
die materielle und geistige Stärke. Eine andere Interpretation
sieht sie als Missi dominici (ein Laizist und ein Vertreter der
Kirche), deren Aufgabe darin bestand, die grafischen Verwaltungsgebiete
in die das karolingische Reich aufgeteilt war zu kontrollieren.
Einst war auch die rechte Wand der Kirche reich mit Fresken bemalt.
Es sind aber nur mehr Reste der dargestellten Themen zu erkennen:
die Steinigung Stephans, Szenen von Saul und verschiedene andere
Bilder. Die Malereien sind von einem Band mit keltischen Motiven
umsäumt. Im selben Stil ist die Chorschranke entstanden, die
sich heute im Bozner Stadtmuseum befindet und ein seltenes Beispiel
für eine in Basrelief bearbeitete Stuckarbeit ist.
Die ikonische Wiedergabe der Malereien ist hier weiter entwickelt
als in Naturns. Die Figuren sind nicht mehr ohne Volumen. Ihnen
wurde durch dreidimensionalen und physiognomischen Nachforschungen
eine bestimmte Körperlichkeit verliehen, die eine aufgeklärtere
Malerei einleiten. Einst gehörte diese Kirche zur Diözese
von Münster in der Schweiz. Ihre Fresken wurden 1913 wieder
entdeckt.
Ein weiterer Freskenzyklus ist in der Krypta von Marienberg bei
Burgeis ans Licht gekommen. Die primitive Kirche des Klosters,
das von Mönchen aus der schwäbischen Abtei Ottobeuren
kamen, gegründet wurde, ist zum Teil in der heutigen Krypta
erhalten. Die wurde 1150 errichtet und zehn Jahre später geweiht
und befindet sich unter dem Hauptaltar der heutigen Gebäudes.
Die Malereien wurden 1877 entdeckt. Sie waren 1643 bedeckt worden,
als die Krypta zu einer Gruft für die Mönche umgewandelt
wurde. Sie waren unter einer dicken Kalkschicht versteckt. Anfangs
war die Freilegung auf die Hauptapsis beschränkt. Erst 1980
wurde der Zyklus vollständig frei gelegt.
Die Malerei von Marienberg enthält die Erfahrungen von zwei
Jahrhunderten, und geht von den Gegenständen der Miniaturen über
die ottonische und merowingische Tradition zum künstlerischen
Klima Salzburgs byzantinischen Ursprungs. In der „Majestät
Domini“ ist das Zentrum der Malerei gesetzt, um das sich
das die Darstellung dreht. Der von einer „Mandorla“ eingeschlossene
Christus in der Apsis ist von einer wunderbaren Himmelsschar umgeben,
die aus Erzengeln, Engeln und Cheruben besteht. Die Figuren der
Engel sind schlank und aufmerksam ersonnen, sie scheinen einen
Aufstieg heraufzubeschwören. Das finden wir auch in den Darstellungen
von Peter und Paul wieder, die der allgemeinen Anspannung nicht
unbeteiligt gegenüber stehen. Der unbekannte Entwerfer diese
Malereien musste aus Südwestdeutschland. Die klaren und sauberen
Zeichnungen und der meisterhaft abgestufte Chromatismus, der eine
erstaunliche Leuchtkraft entwickelt und eine dramatische und beunruhigendes
Gefühl hervor ruft lassen darauf schließen. Es muss
ein erfahrener Meister gewesen sein, der den Grundstein für
die romanische Malerei in Südtirol gesetzt hat.
Die religiösen Bauten im Vinschgau die in dieser Zeit an einsamen
Zonen entstanden sind, sind meist von grober Machart. Die einschiffigen
Kirchen haben breite und niedrige Glockentürme, mit pyramidalen
Aufsätzen. Erst ab 1180 fand eine bestimmte Entwicklung statt,
wie die Pfarrkirche von Laas beweist. Die von den lombardischen
Fachkräften („comancini“) verwendeten Stilelemente
verbreiteten sich rasch in einem weiten Gebiet. Auch hier findet
man in der Form der Apsis, im Schnitt der Steine und im Lageplan Übereinstimmungen
zu der nahen Nikolauskirche in Giornico in der Schweiz, das von
den selben Meistern aus der Lombardei errichtet wurde.
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