Testatina

ST. PROKULUS IN NATURNS

Die Gründung von kirchlichen Siedlungen der irischen Mönche fand in Südtirol vor allem in den Gebieten der Franken im Vinschgau statt. Die verschiedenen Kirchen und Kapellen die zwischen dem 8. und dem 9. Jahrhundert von den Gläubigen keltischer Abstammung im Tal gebaut wurden weisen eine Besonderheit auf: sie wurden allesamt an abgeschiedenen Orten errichtet. Der Grund dafür findet sich im Konzept des orientalischen Mönchtums, wo Einsiedelei betrieben wurde um besser Meditieren zu können und sich Gott näher zu fühlen. Zu den religiösen Gebäuden im Vinschgau, die von irischen Wandermönchen gegründet wurden gehört die St. Prokuluskirche in Naturns.

Dieser alte Bau, war einmal von der Diözese von Chur abhängig gewesen, die wiederum an das Schweizer Kloster von St. Gallen gebunden war, bewahrt den ältesten Wandmalereien im gesamten deutschsprachigen Raum. Das Gebäude liegt entlang der alten Claudia-Augusta-Strasse, die auch während der Invasionen noch befahrbar war. Es wurde im 7. Jahrhundert an der Stelle von alten Grabstätten. Der Kirchenraum ist einschiffig und die rechteckige Apsis weist halbkreisförmige Ansätze auf. Der Umbau wurde entschlossen um den Bau eines Glockenturms zu ermöglichen. Der steinerne Altar liegt schräg im Gegensatz zur Ausrichtung der Kirche. Die Verzierungen des Mauerwerks wurden im 9. Jahrhundert begonnen. An der Westwand kann man eine buntbemalte, stilisierte Rinderherde mit Hirtenhund und Schäfern erkennen. Diese Malereien weisen auf den Hl. Prokulus als Schutzheiligen der Kirche hin, da dieser auch als Beschützer des Viehs verehrt wurde. An der gegenüber liegenden Seite kann man die segnende Hand Gottes, die von einer Taube und einem Lamm, als Symbol der Dreifaltigkeit flankiert ist. Im darunter liegenden Register sind zwei Engel dargestellt, die ein keltisches Kreuz in der Hand halten. Wieder darunter kann man eine Figur das ein Füllhorn hält erkennen. Rechts vom Altar sind fünf Frauen gemalt, die Richtung Presbyterium gerichtet sind. Die Hauptszene stellt den Heiligen Prokulus dar der von drei Helfern von der Stadtmauer von Verona abgeseilt wird. Diese bekannte Szene des Schauklers ist links und rechts flankiert von zwei Personengruppen. Von der rechten haben sich sechs Köpfe erhalten, die alle dem Geschehen in der Wandmitte zugewandt sind; die linke besteht aus fünf dicht gedrängten Gestalten mit langen, faltenreichen Gewändern, die mit ihren Opfergaben dem Altar zuzueilen scheinen.

Die Fresken wurden wahrscheinlich von einem irischen Mönch angefertigt, der auf die Malerei von handschriftlichen Miniaturen spezialisiert war. Die Szenen wirken nämlich wie Vergrößerungen der selben. Der keltische Stil zeigt sich der außerordentlichen Knappheit der Zeichnungen der Gesichter.
Die länglichen Augen, die Münder die aus einem horizontalen Strich bestehen und die stilisierten Nasen sind Elemente einer auf das Wesentliche reduzierten Bildsprache. Nur die großen Hände scheinen die Gestik der Figuren zu unterstreichen. Auch die faltenreichen Gewänder erinnern an Miniaturen. Die verwendeten Farben müssen ursprünglich markant und kontrastreich gewesen sein. Die Fresken wurden 1912 entdeckt und elf Jahre später vollständig ans Licht gebracht, als die darüber liegenden gotischen Malereien abgenommen wurden. Auch an der südlichen wurde die Kirche in zwei Bildzonen mit gotischen Fresken bemalt. Sie zeigen in der oberen Hälfte sieben Bilder der Schöpfungsgeschichte, in der unteren (verblassten) vier Szenen aus dem Leben von Adam und Eva. Die Malereien sind zwischen 1350 und 1390 entstanden.

Im Friedhof der die Kirche umgibt, sind die Gräber wie die Reliquienurne des Altars ausgerichtet. In einigen Gräbern wurden Ohrringe des ausgehenden 7. Jahrhunderts und sogar römische Münzen aus dem 4. Jahrhundert gefunden. Im Jahre 1630 wurden hier nach einer Pestepidemie etwa hundert Bewohner von Naturns begraben. Durch die Ausgrabung der Gräber war eine Analyse darüber möglich wie sich die Bevölkerung des Vinschgau verändert hat. Diese Untersuchungen der Leichname haben ergeben, dass sich die Einwohner von rätoromanischem Ursprung, im Laufe der fortschreitenden Germanisierung des Tales, die erst vor zwei Jahrhunderten abgeschlossen wurde, mit bajuwarischen Geschlechtern vermischt haben.

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