MALEREI
In der Malerei weht aufgrund der Aufträge der Brixner Hofburg
ein frischer Wind. 1580 ist eine Gruppe von Künstlern aus
Brescia damit beschäftigt, den bischöflichen Sitz in
Felthurns in einem vielseitigen Stil mit Elementen aus flämischen
und aus der Italienischen Tradition auszuschmücken. Schade
nur, dass viele der Werke die in Brixen und anderen Zentren hergestellt
wurden verloren gegangen sind. Die lokalen Künstler erweisen
sich als sehr bescheiden und uninspiriert, deshalb werden die
wichtigen Aufträge an Künstler von Aussen erteilt:
der Römer LODOVICO PFENNER hat die „Anbetung der Könige“ im
Bozner Franziskanerkloster (1607) angefertigt. Kurz darauf führt
Pfenner mit Hilfe anderer Römischer Künstler die Fresken
im Südflügel des selben Klosters aus. Das muss den
Neid der einheimischen Künstler hervorgerufen haben, die
sich an den Gemeinderat gewendet haben, um die Konkurrenz auszuschalten.
Daraus erfolgt ein Arbeitsverbot für alle Künstler
die nicht aus Bozen stammen (15. Mai 1609).
"Geburt Christi", voller pespektivischer Verkürzungen angefertigt
für die Kirche von Enneberg im Gadertal hat er einen bedeutenden
"Rosenkranzaltar" gemalt, für jene in Kurtasch die Tafel des Hauptaltars.
Giovanellis letzte Arbeit ist wegen des plötzlichen Tod des Künstler
unvollständig geblieben. Es handelt sich um ein gewichtiges Werk:
Hauptaltartafel die der Meraner Pfarrkirche, die von JAN PANEELS
aus Antwerpen zu Ende geführt wurde.
Andere wichtige Maler der Zeit sind:
GIAN GIACOMO GREITER, aus Brixen. Er war vor allem in Graubünden
tätig. Greiter hat die Fresken in der St.-Leonhardskirche
in Laatsch (Vinschgau, 1609) angefertigt;
MELCHIORRE STÖLZL, Hofmaler in Innsbruck. Für die Pfarrkirche
von Mais (1615) hat er eine Tafel die St. Vigil darstellt gemalt;
GREGORIANO NAPL, stammt aus Danzig. Er arbeitet zunächst im
Raum Bruneck, zieht dann nach Klausen und zuletzt nach Brixen wo
er für die Hofburg arbeitet. Bei seinem Tod im Jahre 1616
treten die Söhne JOHANN MICHAEL und SAMUELE an seine Stelle;
PAUL HONECKER. Arbeitete in Rom und Innsbruck. Er ist der Autor
der St.-Agatha-Tafel in Lana (1622 und 1635) und der St. Michaels-Tafel
im Kloster Marienberg (1646);
TOBIA POCK. Der Künstler von hohem Niveau hat die Altartafeln
im Wiener Stephansdom und im Kloster Marienberg angefertigt. In
seinem Werk erkennt man den Einfluss der Kunst des Veroneser Raums,
wie das Gesims, das dem „Ewigen Vater“ beim Segnen
darstellt (Stadtmuseum Bozen).
SEBASTIAN TRAUT, kommt ebenfalls aus Wien. Nach einem wahrscheinlichen
Aufenthalt in Rom, vollendet er 1630 zwei Caravaggieske Gemälde
für den Deutschen Orden in Bozen.
JOHANN MOSER, der gebürtige Meraner zieht 1638 nach Bruneck.
Ihm werden die Orgelflügel der romanischen Kollegiatskirchen
von Innichen zugeschrieben.
MARTIN TEOFIL (THEOFILOWITSCH), genannt der POLE. Hat seine Wurzeln
im Venetischen Manierismus. In diesem Stil malt er die „Anbetung
der Könige“ für die Brixner Pfarrkirche und jene „Unbefleckte
Jungfrau Maria“, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird.
Er stirbt 1639 in Brixen.
FRA SANTO aus Venedig. Vertreter des späten venetischen Manierismus.
Er hat in der Kapelle der Trostburg bei Waidbruck und in der Bozner
Kapuzinerkirche Malereien hinterlassen.
GEREMIA RUMPFER, gebürtig in Felthurns. War zuerst in Klausen
und später in Brixen, als bischöflicher Hofmaler, tätig.
Diesem 1640 verstorbenen Meister sind zahlreiche Werke die im Kloster
Neustift aufbewahrt werden zu verdanken.
ERASMUS HAMMERL. Hat 1608 die „Anbetung der Könige“ für
die Himmelfahrtskirche in Sand in Taufers angefertigt.
H M ARW. Ist das Kürzel des mysteriösen Malers der 1630
das „Martyrium der Heiligen Katharina“, in der Kirche
von Völser Aicha angefertigt hat, das von acht Medallions
mit Szenen aus dem Leben der Heiligen umrahmt ist.
GIUSEPPE ALBERTI wurde am 8. Oktober 1640 in Tesero (Trient) geboren.
Er ist das zweitjüngste von elf Kindern, und soll eine geistliche
Laufbahn einschlagen. Er wendet sich von den Evangelien ab und
besucht die Vorlesungen von Medizin und Jus an der Universität
von Padova. Wiederum enttäuscht, versucht er sich als Künstler.
Beeindruckt von den Arbeiten Pietro Liberis, auf die er bei seiner
Arbeit im Castello del Buonconsiglio in Trient gestoßen war.
Die Gelegenheit als Lagunenmaler anerkannt zu werden bietet sich
Alberti bei seinem langen Venedigaufenthalt von 1668 bis 1673.
Giuseppe Alberti werden zahlreiche Gemälde mit religiösen
Motiven, die im Trentino, im Veneto und in Südtirol ausgeführt
wurden zugeschrieben. Sein Bruder Antonio, der der katholischen
Kirche treu geblieben war und inzwischen in Magreid als Pfarrer
tätig war, beauftragte ihn für die neue Kirche eine Altartafel
mit den Heiligen Antonius und Josef anzufertigen. An der Fassade
des Schwarz-Haus in Magreid hat er das Wandgemälde „Der
Tod des Heiligen Josef mit Jesus und Maria angefertigt“.
Er begibt sich für einige Zeit nach Vicenza, wo er einen Saal
des Palazzo Montanari mit Fresken bemalen soll. Er hat weitere
Malereien in Südtirol hinterlassen, wie die St.-Michaels-Altartafel
von 1687 in der Bozner Pfarrkirche, ein Fragment der Altartafel
die „Die Väter der Kirche“ darstellte befindet
im Städtischen Museum. Abermals in Bozen, ist ein bisher unveröffentlichtes
Gemälde Albertis aufgetaucht. Das Ölgemälde von
den Maßen 98 x 79 cm befindet sich in Privatbesitz. Darauf
sind die Madonna mit dem Kind, die Heiligen Josef und Johannes
und Maria Magdalena zu erkennen. Die Hand Albertis erkennt man
vor allem in der Physiognomie und an einigen Ungenauigheiten der
Figuren, die typisch für den Meister aus Cavalese sind (Kopf
des Kindes, Hände). Es ist wahrscheinlich, dass, wie es damals
nicht unüblich war, Mitarbeiter des Künstlers am Werk
waren und dass Alberti das Gemälde nachträglich abgeändert
habe um es als sein eigenes ausgeben zu können. Im Castello
del Buonconsiglio in Trient befindet sich ein fast identisches
Gemälde, das ebenfalls Alberti zugeschrieben wird. In diesem
sind aber nur drei Figuren dargestellt: Maria, das Jesuskind und
der Heilige Johannes. Der graphische und farbliche Zusammenhang
des Gemäldes macht es einfach das Trientner Gemälde zeitlich
vor dem Bozner einzuordnen (ca. 1680).
Wir wissen, dass Alberti vor allem im Bereich der Andachtskunst
ein ausgesprochen schöpferischer Künstler war und er
hat sehr wahrscheinlich für die verschiedenen Auftraggeber
seine gelungensten Werke kopiert. In allem übrigen waren es
die Auftraggeber selbst, die immer wieder bestimmten wie das Bild
auszusehen hatte und welche Figuren darin vorkommen sollten.
Andere Werke Giuseppe Albertis in Südtirol sind:
- Bozen, Städtisches Museum, „Madonna mit Kind“ (Öl
auf Leinwand, 86 x 70 cm);
Bozen, Kapuzinerkloster, „Die Ekstase des Heiligen Franziskus“ (Öl
auf Leinwand, 200 x 130 cm);
Dietenheim, Ansitz Wenzl, „Der Heilige Antonius aus Padua
mit dem Kind“ (Öl auf Leinwand)
Brixen Kapuzinerkloster
„
Der Einsiedler Paulus und Antonius“ (Öl auf Leinwand,
110 x 143 cm)
„
Die Lezte Kommunion der Heiligen Maria aus Ägypten“ (Öl
auf Leinwand, 107 x 143)
„
Der Einsiedler Paulus“ (Öl auf Leinwand, 110 x 73 cm)
Wir wollen daran erinnern, dass viele der begabtesten Südtiroler
Künstler, wie Francesco Sebaldo und Michelangelo Unterperger,
sowie Paul Troger, der wie wir sehen werden als der größte
Rokokomaler in Südtirol gilt, Schüler Albertis waren.
Giuseppe Alberti stirbt am 3. Februar 1716 in Cavalese.
ULRICH GLANTSCHNIGG, stammt aus Bayern (1661 – 1722). Er
lebt einige Zeit in Bozen, wo er seine Lehre beginnt. Darauf geht
er an die venetische Schule
seines Landsmannes Johann Carl Loth in die Lehre. 1686 zieht er endgültig
nach Bozen. Seine allegorischen Gemälde, „Der Reichtum des Meeres“ und „Handelsallegorie“ sind
im Ehrensalon des Merkantilmagistrats in Bozen ausgestellt (1702). Unter seinen
Werken mit religiösen Motiven wollen wir aufmerksam machen auf: die zwei
Tafeln der Bozner Pfarrkirche, die die „ Heilige Katharina“ mit dem
Henker und anderen Figuren; die „Anbetung der Könige“, eine
Arbeit, die vor Figuren und dekorativen Details überquillt; „Madonna
mit dem Kind und den Heiligen Florian und Eligio“. Für das Annunziatenkloster
in Bozen hat er die Tafel „Mariä Verkündigung“ (befindet
sich heute in der Pfarrkirche von Meran) angefertigt. Andere religiöse oder
Genremalereien Glantschniggs sind die bemerkenswerte Tafel der „Pest“ in
Tisens, die Tafel des Seitenaltars in der Kirche von St. Josef am See (Kaltern),
die dem Heiligen Antonius aus Padova geweiht ist. Andere Werke befinden sich
im Innsbrucker Museum oder in Privatsammlungen. Später fertigt er im Merkantilmagistrat
die allegorische Deckenmalerei „Tauschrecht“ mit den mythologischen
Figuren „Chronos und Merkur“ an. Es ist kein Meisterwerk. Gelungener
Realismus wechselt sich mit stilistischer Unsicherheit ab. Wesentlich lebhafter
sind die Werke des Künstlers in denen er Szenen des täglichen Lebens
beschreibt, sie erinnern an den holländischen Maler Jan VERMEER (Delft 1632-75):
"Mädchen beim Schreiben ein Liebesbrief", "Vesperbrot".
CHRISTOPH HELFENRIEDER. Stammte wahrscheinlich aus Bad Tölz (Bayern), aber
das Geburtsdatum des 1635 in Meran verstorbenen Künstlers ist gänzlich
unbekannt. Das er in München, wo er als Hofmaler tätig war, wegen eines
Deliktes verurteilt worden war, tauchte er für einige Zeit in einem Kloster
unter. 1618 zieht er nach Meran und nimmt seine Arbeit als Künstler wieder
auf. Es sind Aufträge von Leopold V., der Erzherzog von Österreich-Tirol
und von Alfonso, dem Herzog von Modena dokumentiert. Er ist der Autor einer Altartafel,
die „Madonna mit den Heiligen Johannes und Leopold“ darstellt. Die
entsprechenden Skizzen werden im Ferdinandeum von Innsbruck aufbewahrt. In Südtirol
befindet sich eine „Mariä Himmelfahrt“, in der Pfarrkirche von
Lana und ein Triptychon mit den Heiligen Fabian, Sebastian und Rocco.
JOHANN HOFMANN. Es gibt nur spärliche Zeugnisse von diesem Künstler
der Anfang des 17. Jahrhunderts in Bozen tätig war. Die Altartafel der Pfarrkirche
von Assling (um 1650) wird ihm zugeschrieben.
STEPHAN KESSLER, Wiener Maler (1622 – 1700). Lässt sich in Brixen
nieder und eröffnet eine eigene selbständige Meisterwerkstatt. Hier
werden die Altartafeln der Kirchen von Innichen, Salurn, Ried bei Sterzing und
der Sonnenburg angefertigt. Der vielseitige Künstler hat aber auch Genremalerei
zum Schmuck profaner Gebäude ausgeführt. In der Madonnenkirche eines
Klosters in Brixen hat er 1648 vier Gemälde angefertigt, diese befinden
sich heute im Diözesanmuseum. Eine weitere Arbeit wurde für die Kirche
in Schabs angefertigt, während er im Kloster Neustift die große Komposition „Das
Letzte Abendmahl“ hinterlassen hat. Kessler hat auch die Fresken in der
in der Madonnenkapelle in Säben ausgeführt (1658). Im Rathaus von Sterzing
befindet sich das Gemälde „Das Bankett von Nabukadnezar“, mit
einer Vielzahl von Figuren die in starren und affektierten Posen festgehalten
wurden.
GABRIEL KESSLER, der Sohn und Schüler Stephans wurde 1645 in Brixen geboren.
Er lebt bis zu seinem Tod 1719 in Bozen, und hat dort zahlreiche Werke hinterlassen:
das Fresko an der Kuppel der Kalvarienkirche, an dem er 1685 zusammen mit J.B.
HÜBER gearbeitet hat. für die selbe Kirche hat er die drei Gemälde „Die
Kreuzabnahme“, „Die Ölung Magdalenas“ und „Christi
Höllenfahrt“ und drei Fresken die jeweils die „Krönung
Marias“, den „Heiligen Georg“ und die „Steinigung des
Heiligen Stephan“ darstellen. „Das Letzte Gericht“ (1714) in
der Bozner St.-Lorenzkirche ist ebenfalls sein Werk.
RAFFAELE KESSLER, der Bruder von Gabriel hat wie dieser das Handwerk von ihrem
Vater erlernt. Ihm werden zahlreiche Werke in der Gegend von Brixen zugeschrieben.
Darunter „Das Opfer Isaaks“, das sich in einer Privatsammlung in
Innsbruck befindet. Er wurde 1656 in Brixen geboren und wir hier 1690 ermordet.
JOHANN CARL LOTH, wurde 1632 in München geboren. Die Stil des Sohnes und
Schülers Johann Ulrichs, der wiederum ein Schüler von Carlo Saraceni
(Venedig 1580-1620, gilt als der wichtigste Vetreter des Caravaggismus in Venetien)
war, lehnte sich ebenfalls an Caravaggio an. Nach einer ersten Schaffensphase,
die vom „finsteren Naturalismus“ G. Battista Laghettis (Genua 1635 – Venedig
1676) beeinflusst war, hellt sich die Farbpalette Loths auf und er beginnt leuchtendere
und lebhaftere Farben zu verwenden. Der Künstler ist in Bozen vor allem
wegen seines Gemäldes „der verspottete Noah“ das sich im Stadtmuseum
befindet bekannt.
MATTIA PUSSJÄGER. Stammt aus Rottenbuch in Bayern (1654 – 1734). Er
begibt sich nach Venedig, um bei seinem Landsmann Johann Carl Loth in die Lehre
zu gehen. Dann lässt er die Lagune hinter sich und lässt sich in Meran
nieder, wo er die Altartafel der Pfarrkirche (1681) ausführt (befindet sich
heute in Lana). Er arbeitet an weiteren Altartafel für die Kirchen von Untermais,
die Meraner St.-Barbarakirche, die Himmelfahrtskirche in Ehrenburg, die Kapuzinerkirche
in Meran und an anderen großen Malereien im Kloster Neustift. Dort befinden
sich außerdem zwei Ölgemälde Pussjägers: „ Geißelung“ und „Dornenkrönung“.
Für die Pfarrkirche von St. Peter in Villnöss, malt er 1708 die Altartafel,
die dem Heiligen gewidmet ist. das Franziskanerkloster von Kaltern bewahrt 19
große Ölgemälde von 1721 auf, die Episoden aus dem Leben des
Heiligen Antonius aus Padova darstellen. Wenn sich die frühen Werke des
Künstlers durch ihre Lebhaftigkeit auszeichnen, zeugen sie letzten Werke
von der Erschöpfung der Kreativität des Künstlers.
FRANZ (VON) TEITENHOFEN. War im 17. Jahrhundert in Bozen tätig. Ihm werden
die profanen Malereine an der Decke der Fahlburg bei Prissian (1654), sowie eine
Altartafel die sich in Karneid befindet zugeschrieben. JOHANN TEGLER, aus Villnöss
war bei ihm in der Lehre gewesen bevor er als Hofmaler nach München berufen
wurde.
VEIT WITMAN oder BITMAN oder WIDMAN. Im 36. Band des monumentalen Thieme-Becker
Künstlerlexikons, Leipzig 1927) stehen einige Zeilen über diesen Bozner
Künstler. Er war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, also der
Blütezeit des „Europäischen Naturalismus“ tätig. Der
Großteil seiner Werke befindet sich in der Gegend von Borgo Valsugana,
wo er zwischen 1666 und 1697 gelebt hat. In der Kirche zum Heiligen Sebastian
aus Tonadico (in Fiera di Primiero, Provinz Trient) befindet sich ein Tafel die
der Madonna und den Heiligen Franz von Assisi und Anna gewidmet ist und die auf
das Jahr 1668 zurückgeht.
ULRICH ZIEGLER. Dieser wenig bekannte Künstler war von der Mitte des 16.
Bis Anfang des 17. Jahrhunderts in Bozen tätig. Ihm ist die datierte und
unterschriebene Altartafel der Grieser Pfarrkirche die das „Ecce-Homo“
darstellt.
Zum Abschluss will ich noch ein paar Worte über FELICE BRUSASORZI oder BRUSASORCI
(Verona 1540 –1605) verlieren. Er ist der Sohn von Domenico, genannt der
Lockige (Verona 1492 – 1567), der als einer der wichtigsten Maler des 16.
Jahrhunderts in Verona gilt. Felice wird, auch wenn er ein Künstler von
großem Talent ist, Zeit seines Lebens nicht aus dem schatten seines Vaters
treten können. Er wird zuerst von seinem Vater in das Handwerk eingeführt
und geht dann zu Bernardo Canigiani in Florenz in die Lehre.
Der toskanische lokalpatriotische Schreiber Giorgio Vasari schwärmt in seinen
"Vite" ("Leben") Felice in den höchsten tönen und erklärt dessen künstlerischen
Erfolg mit der Ausbildungszeit in Florenz. Es scheint, dass laut Vasari nur jene
die in dieser Stadt studiert haben eine wahre Chance hatten im Bereich der Kunst
Ruhm und Ehre zu erlangen. Es sind mehrere Aufentahlte von Brusasorzi in Florenz
verzeichnet: 1567, 1585 und vielleicht auch 1597. Obwohl die Malerei Felices
eine bestimmte Eleganz erreicht hat, ist sie entschieden vom toskanisch-emilianischen
und vom lombardischen Manierismus beeinflusst. Die Themen sind jene des traditionellen
religiösen Repertoires ("Moses'Rettung aus dem Wasser", Verona, Castelvecchio;
"Madonna und Heilige", Pfarrkirche von Castelnuovo; "Anbetung der Heiligen",
Apostelkirche in Verona; Johannesaltar in Badia). Auch mythologische oder historische
Gegenstände fehlen nicht ("Schlacht zwischen Zentauren und Lapithen", Verona,
Privatsammlung; Porträts Römischer Kaier, Verona, Privatsammlung).
Im Jahre 1600 hat Felice für die Kapuzinerkirche die wertvolle Altartafel, welche
"Die Gründung des Franziskanerordens" in leuchtenden Farben und mit einer besonderen
kompositorischen Dynamik darstellt. Diese Arbeit ist der Tradition Leonardos
folgend Pyramidal gegliedert.
An der Basis sind im Vordergrund die stattlichen Figuren von Sankt Antonius aus
Padua (der Schutzpatron des Ordens) und die Heiligen Andreas und Paulus dargestellt.
Für den Altar der Wolkensteiner Kapelle hat Brusasorzi die Tafel "Maria Himmelfahrt"
eingefertigt. Die aufgeregten Apostelfiguren im untern Teil des Bildes stecken
wegen ihres Realismus und der gelungenen Helldunkelkontraste hervor.
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