DAS LAND UND SEINE FRÜHEN BEWOHNER
Der Mensch
ist sicherlich erst ziemlich spät bis in das Gebiet von
Südtirol vorgedrungen. Das erste Siedlungsgebiet reichte
vom Becken des oberen Etschlaufs bis zur Salurner Klause. Die
Umwelt dieses Gebietes hat sich den ersten Einwohnern gegenüber
ablehnend gezeigt, die sich inmitten einer unwegsamen Berglandschaft,
imposanten Hochebenen, dichten Nadelwäldern, einer Menge
von Flussläufen, sowie ausgedehnten Sumpflandschaften
wieder gefunden haben. Die Grenzen des Territoriums, welches
heute die Provinz Bozen definiert sind: im NW die Trennungslinie
zwischen den Tälern Engadin (Schweiz) und Vinschgau; im
Norden von einem Abschnitt des Gebirgskammes der Rätischen
Alpen, im Osten von der Wasserscheide der Flüsse Rienz
(Pustertal) und Drau (Österreich); im Süden die Wasserscheide
zwischen der Etsch und dem Noce, sowie zwischen dem Eisack
und dem Avisio, dem Cordevole und dem Boite. Zum Vinschgau,
das sich vom Reschenpass bis nach Meran ausdehnt und zum Pustertal
gehören auch die folgenden Täler zum Territorium:
das Gadertal, das Eggental, das Ultental, das Villnösstal,
das Eisacktal, das Schnalstal, das Grödnertal, das Martelltal,
das Passeiertal und das Suldental.
Die höchste Erhebung des Landes ist der Berg Ortler mit
seinen 3899 Metern.
Die ältesten Kulturen von denen Zeugnisse überliefert
sind, gehören dem „Mesolithikum“ an der nach
der letzten Eiszeit, auch „Würm“-Zeit gennant
angebrochen ist. Das war um das Jahr 8300 vor Christus, mit dem
Zurückweichen der letzten Gletscher gibt es eine Veränderung
der Vegetation und der Fauna, neue Arten treten an die Stelle
der in der Eiszeit verbreiteten. Das ist die Folge eines Klimawandels,
der sich nach für nach bis zu den heutigen Bedingungen einpendelt.
Der Mensch dieser Ära kennt den Ackerbau noch nicht. Er
ist Jäger und Sammler. An mehreren Orten wurden Jägerbiwaks
gefunden: auf der Lüsner Alm (2000m) und in Neustift bei
Vahrn (600m).
In dieser Zeit waren die Jagdwaffen an die „Steinindustrie“ gebunden,
die durch die Herstellung einer erstaunlichen Vielzahl an „Mikrolithen“ (kleine
Steinwerkzeuge) charakterisiert war. Die mikrolithische Aktivität
wird oft mit einem besonderen Typ von „Bulino“ in
Verbindung gebracht, der in West- und Mitteleuropa oft gefunden
wurde. Was ist dieses „Mikrolith“? Es handelt sich
um ein winziges dreieckiges oder trapezförmiges Werkzeug,
das nicht länger als 2,5 cm und einen Durchmesser von ein
paar Millimetern hat. In Gröden, am Sellajoch und am Würzjoch
wurden solche „Bulini“ gefunden. Daraus entsteht
ein Werkzeug mit einem Griffel aus Holz oder Bein, das bei der
Jagd zum schneiden oder schaben verwendet wurde. Dreieckige Steinkeile
wurden in Schneid auf der Seiser Alm gefunden.
Wir haben vom Mesolithikum im Allgemeinen gesprochen aber heute
bedienen sich die Gelehrten spezifischer Termina um unsere entfernte
Vergangenheit zu beschreiben.
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