Testatina

MARX REICHLICH


Er muss etwa vierzig Jahre alt gewesen sein als er jenes Selbstporträt angefertigt hat, welches sich im Innsbrucker Ferdinandeum befindet. Das Antlitz des Künstlers berührt wegen des ernsten und vertieften Ausdrucks, den er beim Fixieren eines Details das er wiedergeben will, macht. Er wurde um 1465 bei Neustift (Brixen) geboren. Man vermutet, dass er ein Schüler Friedrich Pachers war, der ihn in die Malerei eingeführt haben soll. Dann wird er in den Kreis des berühmteren Michael Pacher aufgenommen. 1494 folgt er diesem nach Salzburg, wo er an der Fertigstellung des großen Hochaltars in der Franziskanerkirche mitarbeitet. Nach dem Tod Pachers 1498, wird Marx Reichlich, ohne Erfolg versuchen das Werk seinen Meisters fort zuführen. Deshalb kehrt er 1499 nach Neustift zurück, wo er sieben Jahre später sein bedeutendstes Werk vollendet: der Altar der Heiligen Jakob und Stephan, der sich heute in der Münchner Pinakothek befindet. Besonders interessant ist die Tafel der „Geißelung“, das ein wahres Meisterwerk der ausdrucksstarken Kunst Reichlichs ist. Der nackte Körper Jesu, der von unreinen Peinigern umgeben ist, sticht auf dramatische Weise durch seine reinen und klaren Linien hervor. Diese Nebeneinanderstellung unterstreicht den gleichzeitigen physischen und psychischen Schmerz des Menschen.

1508 stellt Kaiser Maximilian von Habsburg, der auf der Durchreise in Neustift Halt macht, den Künstler für die Restaurierung von Schloss Runkelstein ein. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Reichlich nach der Beendigung dieser Arbeit im Diente des Kaisers geblieben sei. 1511 aber ist der Maler wieder in Neustift, wo er den Madonnenaltar anfertigt. Von diesem, heute zerstückelten Werk, werden einige Teile in der Münchner Pinakothek aufbewahrt. Eine dieser Kompositionen handelt von der „Begegnung zwischen Maria und Elisabeth“. Der Künstler hält sich bei einigen Anekdoten auf, die er, in einem eingängigen kompositorischen Gleichgewicht, mit außerordentlicher Anmut darstellt. Besonders gefällig ist die Episode der jungen Magd die einen Keramikkrug mit den Initialen Reichlichs hält. Mit weiblicher Neugier folgt sie dem Gespräch zwischen ihrer Herrin und Maria. Zu diesem Komplex gehören andere Episoden, wie die „Geburt der Jungfrau“, das voller Details aus dem täglichen Leben ist. Ein anderes Werk, das von der Loslösung des Pacherschen Einflusses zeugt, wird im Brixner Diözesanmuseum aufbewahrt. Der Künstler stirbt im selben Jahr wie Kaiser Maximilian (1519). Das Werk von Marx Reichlich ist heute zum Subjekt aufmerksamer Studien geworden, die ihn unter den Vorreitern der „Donauschule“ einordnen, der weit von den gelassenen Themen, die Michael Pacher so lieb waren entfernt ist. Auch wenn Marx Reichlich der Autor vieler Heiterkeit erweckender Bilder ist, unterscheidet er sich von seinem Meister wegen seiner Vorliebe für dramatische Erzählungen, die typisch für die Deutsche Schule jener Zeit waren.

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