Testatina

KÜSTLERISCHES PANORAMA


Die Aussage, dass die Moderne Kunst nicht die natürliche Folge des 19. Jahrhunderts ist mag schmälernd erscheinen. Die Krise des 19. Jahrhundert betraf alle Bereiche, von der Politik über die Gesellschaft zur Kunst.
Die neuen Herrscher hatten keine Sehnsucht nach der Vergangenheit und ihrer Lebensweise. Friedrich Hundertwasser bemerkte in seinem „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ zu dieser neuen Lebenseinstellung: „Jeder soll bauen können und bauen müssen und so die wirkliche Verantwortung tragen für die vier Wände in denen er wohnt. Die Heutige Architektur ist kriminell steril. Dies führte zur Entmystifizierung der Orthodoxien und der Vorschriften der Aufklärung, die für praktische und konkrete Lösungen geopfert wurden. All das hätte einen provokativen Geschmack wenn die Aussage Bruno Zevis nicht stimmte der da sagt: „Niemand will mehr „schöne“ Sachen“. Die Kunst steigt von ihrem Podest um dem Leben zu begegnen und fängt den ästhetischen Wert der Hässlichkeit, des Abschaumes auf. Burri bemalt Fetzen; Oldenburg versteht die Aussage einer unnützen, „soften“ Schreibmaschine; das Geräusch den sie macht ist nicht Anti-Musik sondern eine „autre“ Musik. Aber auch in der Architektur werden Abfälle vom Schrotthaufen zusammengetragen, (im Mummers Theater z.B.).

Der Bruch mit der Kunst des 19. Jahrhunderts zeigt sich in den neuen künstlerischen Strömungen Expressionismus, Kubismus, Futurismus, Dadaismus, Surrealismus und der abstrakten Kunst. Es sind dies die Avantgardes der so genannten „heroischen Jahre“ deren "Helden" die Verbohrtheit der Akademien und der offiziellen Verdienst- und Ruhmverteiler nicht mehr ernst nehmen wollten. Nichtsdestotrotz, wie bei allen Revolutionen wird der Erneuerungsprozess auch hier nicht schmerzlos verlaufen. Die Leute strömen weiterhin in die Museen und sie schienen ihren Geschmack auch nicht ändern zu wollen. Die Angewohnheit nur das anzunehmen, was einen an Etwas schon Gesehenes erinnert ändert sich nicht. Die Erneuerer verstanden bald, dass es harter Arbeit, Studium, Versuche und Konfrontationen benötigte. Man tröstete sich mit der Beteuerung, der Künstler, jeder Künstler der diesen Namen verdiente den Anderen, dem gemeinen Volk, weit voraus war. Seine Kunst war zukunftsorientiert, er wandte sich damit an die kommenden Generationen. Der Misserfolg war deshalb, wenn er sich einstellte, auf die Ignoranz der Leute, die Neuigkeiten und den Fortschritt einfach nicht wahr haben wollten zurückzuführen .

Noch 1895 bei der Eröffnung der ersten Kunstbiennale in Venedig wurde klar, dass die meisten Aussteller an den Geschmack vergangener Zeiten gebunden waren, der vorwiegend aus Allegorien und süßlichen Landschaftsbildern bestand. Die Helden der Biennale waren der Neapolitaner ETTORE TITO (1889 – 1947) und ANGELO DALL’OCA BIANCA aus Verona, wahre Vertreter der Dekadenz des 19. Jahrhunderts und einer provinziellen Welt die die großen Umwälzungen von Paris und Wien ignoriert.

Fünf Jahre später aber erlebte die Lagunenstadt die Ankunft der neuen Künstlergeneration, welche Anhänger der Avantgardes waren wie ARTURO MARTINI (1889 – 1947), FELICE CASORATI (1886 – 1963), GINO ROSSI (1884 – 1947). Aus Trient, das im Wirkungsfeld der Wiener Seccesion lag kamen TULLIO GARBARI (1892 – 1931) und UMBERTO MOGGIOLI (1886 – 1919). Ihre Werke standen im strikten Gegensatz zu der obsoleten Dekadenz eines Ettore Tito und ihr erklärtes Ziel war es über Cézanne hinauszuwachsen (Gino Rossi). Tullio Garbari, gebürtig aus Pergine, wir in einem gewissen Sinne der Vermittler zwischen der deutschen und der venetischen Kunst sein. Seine Werke widerrufen die Waldgötter der rätischen Welt und fantastische Elemente eines wiederentdeckten Römertums.

Ein anderer Trienter, FORTUNATO DEPERO (Fondo 1892 – Rovereto 1960) schaffte anfangs Werke die dem Deutschen Expressionismus nahe waren um sich dann dem Futurismus Marinettis anzuschließen. Zuletzt wandte er sich auch von diesem ab und entwickelte einen eigenen formalen und farblichen Ansatz der Ähnlichkeiten mit der Kunst des Franzosen FERNAND LéGER (1881 – 1955) aufweist.

Wir bleiben in Frankreich und beobachten, dass hier eine Gruppe von Künstlern, die später „Fauves“ (Bestien, wilde Tiere) genannt werden, schon in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts das Publikum des Pariser Salon d‘ Automne mit ihren Werken bestürzen. Im Gegensatz zu den leuchtenden Farben die von den subjektiven Eindrücken inspirierte harmonische Kompositionen ausmachten standen jetzt die Ablehnung der Perspektivischen Gesetze, der Definition von Volumen und von Helldunkel. Der Meister dieser Strömung war HENRI MATISSE (1869 – 1954). Aber die Gruppe löste sich schon 1907 auf und kurz darauf entsteht ein Bund zwischen Braque und Picasso: der Kubismus bahnt sich an.

Zur Selben Zeit versammelten sich in Dresden viele junge Künstler unter dem Namen „Die Brücke“ Hier sind wir Zeugen der Geburt des Modernen Expressionismus, der wichtige Inspirationen wie „Der Schrei“ von MUNCH (1896), aber auch die Kunst von VAN GOGH, ENSOR und, in einem gewissen Sinn die von TOULOUSE-LAUTREC für sich beansprucht. Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe waren: EMIL NOLDE (1867 – 1956), ERNST L. KIRCHNER (1880 – 1938), KARL SCHMIDTROTTLUFF (1884 – 1970), ERICH HECKEL (1883 – 1970). Zu diesen reihten sich MAX PECHSTEIN (1881 – 1955) und OTTO MÜLLER (1874 – 1930), und der Österreicher OSKAR KOKOSCHKA (1886 – 1980), einer der Pioniere des Expressionismus in der Malerei und in der Kunst.

Von der Gewissheit zu einer künstlerischen Avantgarde zu gehören gestärkt, sträuben sie sich gegen eine Rückkehr der klassischen Lehre der Akademien, und verfochten eine Ästhetik von dramatischer Intensität. Dies war die Zeit von intellektuellen Umwälzungen, mit dem Einzug von zahlreichen Bewegungen wie dem Kubismus von PABLO PICASSO (1881 – 1973), dem von FILIPPO TOMMASO MARINETTI 1909 in seinem „Manifest“ theoretisierten Futurismus, der abstrakten Kunst von WASSILIJ KANDINSKY (1866 – 1944), die metaphysische Malerei GIORGIO DE CHIRICOS (1888 – 1979) oder der Surrealismus von SALVADOR DALì (1904 – 89). Der letztere inspirierte sich an HIERONYMUS BOSCH (1450 – 1516), aber auch an modernere Künstlern wie MAX ERNST (1891 – 1976), RENE‘ MAGRITTE (1898 – 1967) oder JOAN MIRO‘ (1893 – 1983).

In Südtirol wurde die Aufbruchsstimmung vor dem 1. Weltkrieg vor allem durch die Tätigkeit der wenigen lokalen Künstler und jener Kunstschaffender die aus den Ländern jenseits der Berge stammten aber für längere Aufenthalte oder für immer nach Südtirol kamen vermittelt. Unter den ersteren finden wir LEO PUTZ aus Meran, EDUARD THÖNY aus Brixen, die STOLZ und den Architekten MARIUS AMMON aus Bozen, EDUARD BURGAUNER aus Kastelruth; unter den zweiten HANS WEBER-TYROL aus Schwaz, ALBIN EGGER LIENZ aus Stribach, ALEXANDER KÖSTER aus dem Rheinland, die Architekten KARL HOCHEDER, MAX LITTMANN, die LUDWIG alle aus München.

In der Nachkriegszeit waren in Südtirol vor allem Architekten die aus dem restlichen Italien kamen wie MARCELLO PIACENTINI, ALBERTO CALZA BINI, FERDINANDO FORLANI, PAOLO ROSSI tätig. Auf die anderen Mitwirkenden, auch der Zweiten Nachkriegszeit, werden wir später zu sprechen kommen.


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